Und auf einmal wird aus Schattenlicht … ein Pferd.
Die Worte Schattenlicht - Vergänglichkeit - Sehnsucht eines Drabbles ließen mich nicht los. Und so entstand etwas Neues.
✨ Elfis Reise ✨
Elfis Reise umfasst derzeit zehn Teile, die alle als Drabbles geschrieben sind.
Teil 1
Schattenlicht stupste Elfi vorsichtig an. „Was ist los, mein Freund?“ Elfi tätschelte dem Pferd gedankenverloren den Hals und seufzte. „Ich weiß, ich weiß. Ich habe nicht ewig Zeit.“ Sie sah das Pferd stirnrunzelnd an. Die Vergänglichkeit ist schon bescheiden.“ Elfi deutete auf das Dorf vor ihr. „Vor allem für sie.“ Sie straffte die Schultern und stieg auf. „Dann wollen wir mal …“ Schattenlicht wieherte leise. „Ja, ich habe auch Sehnsucht. Ein richtiges Bett wäre wunderbar. Aber ich befürchte, wir müssen wieder im Stall schlafen.“ Schattenlicht ruckte mit dem Kopf. Elfi lachte laut. „Auch wieder wahr. DU fühlst dich da wohl.“
Teil 2
Im Dorf hatte man Elfi und Schattenlicht wie so oft skeptisch empfangen. Elfi lächelte tapfer und schaute sich um. „Ich glaube, heute wird es nicht einmal ein Stall zum Schlafen“, flüsterte sie Schattenlicht zu. Das Pferd wieherte leise. „Hey, hör auf, mir einen Vorwurf zu machen.“ Tadelnd sah sie Schattenlicht an. „Ich geb mir ja schon Mühe!“ Sie piekste ihrem Pferd in den Hals. „Aber wenn du immer alle gleich wegscheuchst, wird das nichts.“ Schattenlicht schnaubte.
„Entschuldigung?“, hörte Elfi plötzlich eine leise Stimme hinter sich. „Ja?“ Sie drehte sich um. Vor ihr stand ein kleines Mädchen.
„Bist du eine Elfe?“
Teil 3
Elfi hockte sich vor dem kleinen Mädchen hin. „Wie kommst du darauf?“, fragte sie sanft. Das Mädchen schaute nach unten, fuhr verlegen mit einem Fuß über den Boden. „Naja, du bist… irgendwie anders.“ Elfi lächelte. „Ist das jetzt gut?“, fragte sie.
Das Mädchen schaute sie an. „Ja! Dann kannst du mir helfen!“ Elfi hob überrascht die Augenbrauen. „Helfen?“ Das Mädchen nickte eifrig. „Die Jungs da hinten ärgern mich dauernd.“ „So, so.“ Wieder nickte die Kleine. „Ja, und wenn ich sagen kann, ich hab eine Elfe als Freundin, dann lassen sie mich bestimmt in Ruhe.“
Schattenlicht schnaubte hinter Elfi. „Ich weiß…“
Teil 4
Das kleine Mädchen sah Elfi immer noch erwartungsvoll an. Elfi überlegte. „Komm“, sagte sie zu dem Mädchen und nahm sie an die Hand. Schattenlicht trottete hinter ihnen her.
„Also“, meinte Elfi, „wer sind denn diese Jungs?“ Das Mädchen schluckte. „Meine Brüder…“ Elfi blieb abrupt stehen. „Deine Brüder?“ Schattenlicht wieherte leise. Elfi warf ihm einen bösen Blick zu. „Lach nicht!“
Sie wandte sich an das Mädchen. „Weißt du,“ sagte sie leise, „du brauchst keine Superfreunde!“ Die Kleine sah sie traurig an. „Nicht?“ Elfi schüttelte den Kopf. „Was kannst du besonders gut?“ Das Mädchen überlegte. „Klettern!“ Elfi lächelte. „Dann zeig es ihnen.“
Teil 5
Schattenlicht schnaubte neben ihr. „Ja, ja“, sagte Elfi mürrisch. „Ich weiß, wir sollten weiter.“ Sie schaute zu dem Mädchen. Sie hatte ihre Brüder in Windeseile beim Klettern besiegt. Elfi lächelte und stieg auf.
„Wohin jetzt?“, fragte sie Schattenlicht. Das Pferd ruckte mit dem Kopf. „Woher du das wissen sollst?“ Sie gab ihm leicht die Sporen. „Na, hör mal. Du hast hier doch die Spürnase und weißt, wo es das beste Futter gibt.“ Schattenlicht setzte sich in Bewegung.
Sie ritten ohne ein Wort, bis sie zu einem Wald kamen. „Da willst du durch?“, fragte Elfi unsicher. „Na, ich weiß nicht …“
Teil 6
Schattenlicht scharrte ungeduldig mit den Hufen.
„Ist ja gut! Es geht ja los“, seufzte Elfi und gab Schattenlicht das Zeichen zum Weiterreiten.
Der Wald wurde immer dunkler. Ein Uhu kreischte von irgendwoher.
„Und hier soll es was zu essen geben?“, murrte Elfi. Ihr Magen knurrte laut.
Schattenlicht schnaubte und trottete weiter.
Von irgendwoher war plötzlich ein Knacken zu hören.
Schattenlicht blieb abrupt stehen.
„Was machst du?“, zischte Elfi leise. „Du wolltest hier durch. Jetzt sei kein Hasenfuß!“
Schattenlicht warf den Kopf nach oben.
„Los weiter!“
Langsam trotteten sie weiter, bis sie an eine Weggabelung kamen.
„Und jetzt? Links oder rechts?“
Teil 7
Schattenlichts Kopf ruckte ungeduldig nach links. „Du willst da lang? Och nö …“ Elfi zog die Zügel nach rechts. „Lass uns da lang.“
Schattenlicht schnaubte genervt, gab sich aber geschlagen. Elfi grinste breit. „Vertrau mir! Das war die richtige Entscheidung.“
Sie ritten den Weg hinunter, als sie von Weitem einen Lichtschein wahrnahmen.
„Oh“, entfuhr es Elfi leise. Schattenlicht prustete, als sie lautstarkes Gebrüll hörten. Je näher sie kamen, um so deutlicher schälten sich Umrisse aus den Schatten. Elfi schluckte, als sie den Schatten erkannte. Ein Troll. Ein großer Troll. Er hatte sie entdeckt.
„Ok, vielleicht wäre dein Weg doch besser gewesen …“
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Teil 8
Der Troll kam wankend auf sie zu. Schattenlicht wieherte nervös und trat von einem Huf auf den anderen.
„Ja, ich weiß …“, zischte Elfi. „War ne blöde Idee … konnte ja nicht ahnen, dass wir direkt einem Grolltroll Gesellschaft leisten werden …“
Schattenlicht schnaubte. „Keine Ahnung! Wegrennen bringt nichts …“
Der Troll knickte mit einer Hand den jungen Baum um und hielt weiter auf sie zu.
Elfi drückte den Rücken durch, als der Troll plötzlich jämmerlich zu weinen anfing.
Verdutzt starrte Elfi ihn an. Schattenlichts Ohren zuckten unsicher.
Dann ließ sich der Troll vor ihnen fallen. „Aua“, nuschelte er. „Zahnschmerzen … Könnt ihr mir helfen?“
Teil 9
Elfi schaute ihn entgeistert an. „Z … Zahnschmerzen?“, stotterte sie.
Schattenlicht wieherte irritiert. Der Troll nickte schmerzverzerrt.
„Oh. Ok.“ Elfi ging vorsichtig auf ihn zu.
Der Troll riss den Mund auf. Fauliger Gestank schlug ihr entgegen. Sie hustete, unterdrückte den Würgreflex. Schattenlicht trat hastig den Rückzug an.
„Feigling“, zischte Elfi und wandte sich wieder dem Troll zu. Schattenlicht schnaubte verächtlich.
„Das sieht übel aus“, sagte sie und hielt sich die Nase zu. „Der Zahn muss raus. Wir haben zwei Möglichkeiten. Entweder wir nehmen eine Zange oder wir versuchen es mit einem Bindfaden.“ Elfi sah den Troll prüfend an. „Was ist dir lieber?“
Teil 10
„Also, gut. Bindfaden“, seufzte Elfi.
Der Troll nickte, während Schattenlicht zurückwich.
„Nichts da!“, zischte Elfi. „Du hilfst schön mit!“ Sie hielt Schattenlicht ein Ende des Fadens hin. Das andere wickelte sie um das schwarze Zahnungetüm im Trollmund.
„Lauf los!“, rief sie Schattenlicht zu. Das
Pferd wieherte mürrisch, setzte sich jedoch in Bewegung.
Mit einem Plopp flog der Zahn im hohen Bogen auf die Erde. Der Troll jaulte auf.
Elfi und Schattenlicht erstarrten, als er auf sie zugerannt kam. Er hob Elfi hoch, drückte sie fest. „Danke!“ Dann verschwand er im Wald.
Elfi atmete tief durch. Sie brauchte jetzt eine Pause.